Oct 20, 2022
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Climate Transparency Report: Turbo für Erneuerbare und Energieeffizienz nötig – mehr Hitzetote auch in Deutschland

Written by Silke Kersting

Berlin Wenn Deutschland und andere Industrieländer nicht schnell das Tempo beim Ausbau sauberer Energien erhöhen, rückt ein Erreichen des Pariser Klimaabkommens in immer weitere Ferne. Denn trotz zunehmender Erderwärmung tun die 20 größten Industrie- und Schwellenländer zu wenig, um die eigenen Klimaziele zu schaffen. Das zeigt der „Climate Transparency Report“, der einmal jährlich vor der Weltklimakonferenz auf Fort- und Rückschritte der G20-Staaten beim Schutz des Klimas aufmerksam macht.

„Kein G20-Land hat sich bisher Ziele gesetzt, die mit dem 1,5-Grad-Limit kompatibel wären“, konstatiert Jan Burck von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, einer der Autoren des Reports.

Trotz Fortschritten bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz drohten sich die G20-Staaten in die falsche Richtung zu bewegen: „Rekordsubventionen für fossile Energien und Infrastruktur im Zuge der Energiepreiskrise erschweren das Erreichen der gesetzten Klimaziele“, ist eine der Kernaussagen des Berichts.

Climate Transparency ist eine internationale Partnerschaft zwischen mittlerweile 16 Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen aus 14 G20-Ländern. Seit 2015 gibt die Initiative einmal jährlich einen Überblick über den Klimaschutz in den G20-Ländern und ihre Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität. Aus Deutschland ist unter anderem Germanwatch beteiligt.

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In der G20 sind 19 Staaten plus die EU vertreten. Sie stehen für 75 Prozent der weltweiten klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Ihr Kurs beim Klimaschutz ist also von allergrößter Bedeutung.

Das Zeitfenster für 1,5 Grad schließt sich

Der Bericht zeigt: Die G20-Länder haben keine Zeit mehr zu verlieren. Die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen erhöhten sich 2021 um 5,9 Prozent, nach einem G20-weiten Einbruch im ersten Coronajahr 2020 um 4,9 Prozent. Notwendig wäre weltweit nahezu eine Halbierung der Emissionen bis 2030, um die Pariser Klimaziele einzuhalten.

Flugverkehr

Deutsche Flughäfen verzeichnen ein starkes Plus – ein Problem fürs Klima.



(Foto: dpa)

„Das Zeitfenster für die Begrenzung auf 1,5 Grad Erderhitzung wird sich schon in den kommenden Jahren schließen, wenn die weltweiten Emissionen nicht nun beginnen, rasch und stabil zu sinken“, mahnt Thea Ulich von Germanwatch. Derzeit liegt die globale Erderwärmung bei plus 1,1 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit.

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Zwar sind die erneuerbaren Energien G20-weit auf dem Vormarsch. Die Wachstumsraten sind allerdings in den Staaten sehr unterschiedlich und insgesamt zu niedrig, kritisieren die Wissenschaftler.

Deutschlands Pro-Kopf-Emissionen liegen mit 9,6 Tonnen CO2-Äquivalenten höher als im Durchschnitt der G20 (7,5 Tonnen CO2-Äquivalente). CO2-Äquivalente sind eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase. Neben dem wichtigsten von Menschen verursachten Treibhausgas, Kohlendioxid, gibt es weitere wie Methan oder Lachgas.

Deutschland im Vergleich: Gut bei der Energieintensität der Wirtschaft, schwach im Verkehr

Gut schneidet das Land vor allem bei der Energieintensität der Wirtschaft ab. Vergleicht man, wie viel Energie hierzulande bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt verbraucht wird, steht Deutschland besser da als der G20-Schnitt.

Autobahn bei Nacht

Vor allem der Verkehrssektor in Deutschland sorgt für hohen CO2-Ausstoß.



(Foto: dpa)

Besonders schwach ist Deutschland dagegen im Verkehrssektor. Auf jede Person entfallen im Durchschnitt 2,4 Tonnen Emissionen pro Jahr allein aus dem Verkehr, das ist fast doppelt so hoch wie der G20-Schnitt.

„Besonders problematisch ist der Anstieg der Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland beim Flugverkehr“, betont Burck. „Ein Plus von 16 Prozent im Fünfjahrestrend schon vor Corona allein an deutschen Flughäfen – das zeigt, wie groß unser Problem in dem Bereich gerade wird.“

Der Report verzeichnet einen rasanten Anstieg der fossilen Subventionen. Sie erhöhten sich schon von 2020 bis 2021 um fast 30 Prozent auf zuletzt rund 190 Milliarden US-Dollar. „In diesem Jahr sehen wir nun noch mal massiv wachsende Investitionen in fossile Infrastruktur“, konstatiert Burck.

Extremwetter: Mehr Hitzetote auch in Deutschland

Der Klimawandel macht Ländern und Menschen zunehmend zu schaffen. Auch Deutschland ist von immer mehr Hitzeperioden, Dürre, aber auch Waldbränden und Flutereignissen betroffen.

Die Durchschnittstemperatur hierzulande stieg zuletzt stärker als im globalen Durchschnitt, so die Autoren des Berichts. Zwischen 2017 und 2021 lag der Anstieg der durchschnittlichen Sommertemperaturen in Deutschland bei 1,6 Grad Celsius. Etwa 90 Prozent der Fläche Deutschlands seien Dürreperioden und Hitzewellen ausgesetzt, die die Land- und Forstwirtschaft stark beeinträchtigen.

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Sorge bereitet auch die Verstädterung, da Menschen, die in städtische Gebiete ziehen, einem größeren Risiko von Hitzestress ausgesetzt sind. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes hat sich die Anzahl heißer Tage mit Temperaturen von mindestens 30 Grad Celsius über ganz Deutschland seit den 1950er-Jahren von etwa drei Tagen pro Jahr auf derzeit durchschnittlich neun Tage jährlich verdreifacht.

Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle ist in den vergangenen Jahren in Deutschland stetig angestiegen. In den letzten fünf Jahren, so der Bericht von Climate Transparency, gab es 54 Prozent mehr hitzebedingte Todesfälle als im Vergleichs-Fünfjahreszeitraum 2000 bis 2004. Im Jahr 2003 erlebte Europa einen beispiellosen heißen Sommer mit Tausenden von Hitzetoten.

Mehr: Wälder, Moore, Gewässer – Umweltministerin Lemke stellt „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ vor



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Politik

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