Jul 19, 2023
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Konjunktur: Mittelständler klagen über Umsatzrückgang

Written by Jan Hildebrand


Produktionshalle

Zahlreiche mittelständische Unternehmen wollen ihre Investitionen zurückfahren.


(Foto: dpa)

Berlin Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich im Jahresverlauf deutlich verschlechtert. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Mittelstandsverbundes ZGV, die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach bewerten 16 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage im zweiten Quartal als schlecht. Im ersten Quartal waren es rund neun Prozent gewesen.

Der Anteil der Firmen, denen es nach eigener Aussage wirtschaftlich gut geht, ist von mehr als 45 Prozent auf gut 36 Prozent gesunken. Die restlichen Unternehmen halten ihre Lage für stabil.

„Die Konjunktur-Aussichten sind in vielen Branchen gedämpft“, sagte Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbunds. Er nimmt die Ergebnisse zum Anlass für eine Forderung an die Bundesregierung: „Gerade jetzt braucht es eine verlässliche Politik, die nicht nahezu wöchentlich mit neuen Auflagen und Bürokratiepaketen um die Ecke kommt.“

Die schwierige Lage der Wirtschaft zeigt sich der Umfrage nach auch in den Umsätzen. So meldete fast die Hälfte der befragten Unternehmen (49 Prozent) einen Umsatzrückgang.

Das sind 20 Prozentpunkte mehr als noch im Vorquartal. Und Besserung ist kaum in Sicht: Gut 43 Prozent der Befragten gehen auch im weiteren Jahresverlauf von sinkenden Umsätzen aus.

Ökonomen blicken ähnlich auf die Konjunktur wie der Mittelstand

An der Konjunkturumfrage haben sich 55 sogenannte Verbundgruppenzentralen mit rund 42.000 angeschlossenen Unternehmen aus 17 Branchen beteiligt. In den Verbundgruppen wie Edeka, Expert oder Sport 2000 schließen sich Unternehmen zusammen, um etwa beim Einkauf oder Marketing zu kooperieren.

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Die trübe Stimmung der Unternehmen in der Umfrage deckt sich mit den Erwartungen vieler Ökonomen. Erst vor wenigen Tagen bekräftigte der Internationale Währungsfonds (IWF) in einer Analyse zur deutschen Wirtschaft: Die Energiekrise und die steigenden Zinsen dürften dafür sorgen, dass die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr „leicht negativ“ ausfallen werde. Der IWF rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent.

Die Bundesbank hat ebenfalls eine neue Einschätzung vorgelegt. Demnach könnte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wieder leicht gestiegen sein. Eine genauere Schätzung wird das Statistische Bundesamt am Monatsende vorlegen. In den beiden Quartalen zuvor gab es jeweils ein Minus – Ökonomen sprechen dann von einer technischen Rezession.

Maschinenbau

Der Mittelstand blickt pessimistischer in die Zukunft.


(Foto: dpa)

Auch die Bundesbank rechnet nur mit einer „zögerlichen“ Erholung im weiteren Jahresverlauf. Nach Einschätzung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ist die Gefahr einer bis in den Sommer anhaltenden Rezession sogar deutlich gestiegen.

>> Lesen Sie hier: Wirtschaft kritisiert Fokus der Bundesregierung auf Subventionen

Neben der Energiekrise machen sich aktuell die schwierigeren Finanzierungsbedingungen für Unternehmen bemerkbar, etwa in der Bauwirtschaft. Zudem hielten sich die Verbraucher zu Jahresbeginn wegen der Inflation mit ihrem Konsum zurück.

Die gedämpften Geschäftsaussichten könnten auch die Investitionen von Unternehmen bremsen. Laut Umfrage des Mittelstandsverbunds planen zwar 31 Prozent der befragten Unternehmen ihre Investitionen zu erhöhen. Allerdings ist mit 27 Prozent auch der Anteil der Firmen gestiegen, die ihre Investitionen zurückfahren wollen. Im ersten Quartal waren es nur knapp neun Prozent.

>> Lesen Sie hier: Kaum neue Investitionen: Deutschland gefährdet seine wirtschaftliche Substanz

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte kürzlich erklärt, die Transformation hin zur Klimaneutralität könne für ein neues Wirtschaftswunder in Deutschland sorgen.

Viele Ökonomen sehen das deutlich skeptischer. Der IWF beurteilt die mittelfristigen Wachstumsaussichten verhalten, wie in der jüngsten Analyse betont wird. Wegen der Alterung der Bevölkerung und ausbleibender Fortschritte bei der Produktivität sowie dem Fachkräftemangel sei mittelfristig nur mit durchschnittlichen Wachstumsraten von unter einem Prozent zu rechnen.

Mehr: Wirtschaftsweise warnen vor Subventionswettlauf mit den USA



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