Oct 7, 2022
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Energiekrise: Studie: Längere AKW-Laufzeit könnte Strompreis spürbar senken

Written by Klaus Stratmann

„Längere Laufzeiten haben signifikante Auswirkungen auf die Preisentwicklung in Deutschland und den Nachbarländern“, sagte Grimm. Auch die positiven Auswirkungen auf die CO2-Bilanz seien nicht zu unterschätzen. „Ich empfehle, in dieser schwierigen Situation keine Möglichkeit ungenutzt zu lassen.“

Werde der Atomausstieg verschoben, könnte die Stromnachfrage in einer größeren Anzahl von Stunden bereits im Jahr 2024 ohne fossile Kraftwerke gedeckt werden. „Sehr niedrige Preise“ wären die Folge, heißt es in der Studie.

In Kombination mit anderen Maßnahmen – etwa einem starken Ausbau der Erneuerbaren und der Nutzung von Kohlekraftwerken, die eigentlich für die Abschaltung vorgesehen sind – sind laut Studie Preisrückgänge von bis zu 16 Prozent denkbar. Betrachte man die Verlängerung der AKW-Laufzeit isoliert, liege der Effekt immer noch bei bis zu 13 Prozent, so die Studie.

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Damit rückt die Debatte über die Laufzeiten der drei verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland wieder in den Fokus. Nach geltender Gesetzeslage gehen sie am 31. Dezember 2022 vom Netz. Allerdings will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eine bis zum 15. April 2023 befristete „Einsatzreserve“ der Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim 2 ermöglichen. Die dritte Anlage, das Atomkraftwerk Emsland in Niedersachsen, soll Ende des Jahres vom Netz gehen.

Zwei Atomkraftwerke bleiben auch 2023 am Netz

Isar 2 und Neckarwestheim 2 sollen nur im Bedarfsfall genutzt werden. Habeck hatte kürzlich gesagt, sein Ministerium gehe davon aus, dass man die „Reserve“ auch tatsächlich nutzen werde.

Halb grün

49

Prozent

So groß war im ersten Halbjahr 2022 der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Stromverbrauch in Deutschland.

Die beiden Atomkraftwerke würden im ersten Quartal 2023 voraussichtlich weiter am Netz sein, sagte er. Die erforderliche Änderung des Atomgesetzes sollte eigentlich bereits am Mittwoch dieser Woche vom Bundeskabinett verabschiedet werden, wurde aber ohne nähere Begründung von der Tagesordnung gestrichen.

Innerhalb der Ampelkoalition gibt es unterschiedliche Auffassungen über die Rolle der drei Anlagen. Die FDP will einen längeren Weiterbetrieb. FDP-Chef Christian Lindner spricht sich dafür aus, alle drei Atomkraftwerke bis ins Jahr 2024 laufen zu lassen. Zusätzlich müsse geprüft werden, wie viele der bereits abgeschalteten AKWs sicher wieder in Betrieb genommen werden könnten, hatte Lindner kürzlich gesagt.

Ausbau von erneuerbaren Energien nicht ausreichend

In der Studie heißt es, die Energiekrise zwinge Deutschland und die EU-Mitgliedstaaten dazu, energiepolitische Entscheidungen neu zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen. Die preisdämpfenden Effekte der erneuerbaren Energien sind den Forscherinnen und Forschern zufolge bis zum Jahr 2024 noch überschaubar.

>> Lesen Sie auch: Welche Kohlekraftwerke im Oktober wieder in Betrieb gehen

Selbst bei einem starken Ausbau von Windkraft und Solar, der mit dem Osterpaket der Bundesregierung angekündigt wurde, sei es im Jahr 2024 noch nicht möglich, mehr als 55 bis 60 Prozent der Stromnachfrage aus erneuerbaren Energien zu bedienen. Im ersten Halbjahr 2022 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Stromverbrauch laut Umweltbundesamt bei etwa 49 Prozent.

Auch Kohlekraftwerke müssten für niedrigere Strompreise länger laufen

Die Studie trifft drei Annahmen für ihre Ergebnisse: Kohlekraftwerke mit einer installierten Leistung von insgesamt 2,7 Gigawatt (GW), die eigentlich in der dritten und vierten Ausschreibungsrunde des Kohleausstiegsgesetzes stillgelegt werden sollen und bis März 2024 in Reserve bleiben, müssten über dieses Datum hinaus weiterlaufen. Außerdem wird unterstellt, dass für die drei verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland mit einer Leistung von zusammen 4,1 GW neue Brennstäbe beschafft werden können und die Meiler bis Anfang 2024 in Betrieb bleiben.

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Zusätzlich geht die Studie bei erneuerbaren Energien von zwei Szenarien aus: einem verzögerten Ausbau und einem ambitionierten Ausbau. Beim ambitionierten Ausbau rechnen die Forscher in den Jahren 2022 bis 2024 mit 45,2 GW zusätzlicher Kapazität, in den Jahren 2022 bis 2027 mit zusätzlich 138,7 GW. Beim verzögerten Ausbau sind es in den Jahren 2022 bis 2024 38,2 GW und in den Jahren 2022 bis 2027 95,2 GW.

Effekte auf Strompreise umstritten

Die Preiseffekte einer Laufzeitverlängerung der drei Atomkraftwerke sind allerdings nicht unumstritten. Fachleute wie Felix Matthes vom Öko-Institut sagen, der Strompreiseffekt für die beiden süddeutschen Kernkraftwerke sei mit 0,5 bis 0,8 Prozent „äußerst gering“. Allerdings bezieht sich Matthes lediglich auf einen Streckbetrieb der Anlagen.

Damit ist gemeint, dass die Meiler mit den vorhandenen Brennstäben noch über den 31. Dezember 2022 hinaus für bis zu drei Monate bei sinkender Stromerzeugung betrieben werden.

Mehr: Kalter Entzug von russischem Gas – Deutschland droht ein Notstandswinter



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Politik

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