Oct 8, 2022
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Ukraine-Krieg: Explosion auf Krim-Brücke: Sicherheitskreise vermuten ukrainische Attacke

Written by Mareike Müller

Riga Die Brücke, die die Halbinsel Krim mit dem russischen Festland verbindet, gilt als wichtige Versorgungsroute für die in der Südukraine kämpfenden russischen Streitkräfte.

Am frühen Morgen hatte die Explosion einer Bombe, wie es bislang von russischen Behörden heißt, einen Brand auf der Brücke entfacht. Sie verbindet die von Russland besetzte und 2014 illegal annektierte Halbinsel Krim mit dem russischen Festland. Russland nannte am Samstagmorgen eine LKW-Bombe als Ursache für das Feuer. Ob das stimmt, ist bislang noch ungeklärt. Ein Video von Augenzeugen, das sich bislang nicht verifizieren lässt, legt nahe, dass der LKW zum Zeitpunkt der Explosion noch intakt ist.

Wie das Nationale Antiterrorkomitee Russlands am Samstag mitteilten, habe die Bombe sieben Eisenbahnwaggons, die mit Treibstoff beladen waren, in Brand gesetzt, was zu „teilweisen Einsturz von zwei Brückenabschnitten“ geführt habe. Es habe mindestens drei Tote gegeben, hieß es von russischer Seite.

Zwei Brückenabschnitte für den Autoverkehr sind teilweise eingestürzt. Äußerungen darüber, wer für den Anschlag verantwortlich gemacht werde, blieben vorerst aus.

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Russland besetzte zwar schon zu Beginn der Invasion im Februar Gebiete nördlich der Krim, außerdem schuf das Militär einen Landkorridor entlang des Asowschen Meers. Allerdings versucht die Ukraine derzeit, diese Gebiete mit einer großangelegten Gegenoffensive zurückzuerobern.

Strategischer und symbolischer Schaden für Russland

In deren Verlauf hat die Ukraine in den letzten Wochen im Osten und Süden des Landes erhebliche Landgewinne erzielt und Gebiete zurückerobert, die während des siebenmonatigen Krieges zuvor von Russland gehalten wurden. Sollte die Brücke funktionsunfähig gemacht werden, würde es deutlich schwieriger, Nachschub für das russische Militär auf die Halbinsel zu bringen

Aus der Krim-Hauptstadt Simferopol hieß es hingegen, es drohten keine Versorgungsengpässe. Das russische Energieministerium teilte mit, dass auch die Treibstoffversorgung ungeachtet des verbrannten Diesels gesichert sei.

Schäden an der Krim-Brücke

Die abgebrannten Waggons sollen mit Treibstoff beladen gewesen sein.


(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Der Bau der 19 Kilometer langen Brücke begann im Jahr 2015, ein Jahr nach Russlands illegaler Annexion der Krim, um die Halbinsel mit dem russischen Festland zu verbinden. Sie gilt als Prestigeprojekt Putins und hat demnach neben dem strategischen Nutzen auch einen symbolischen Charakter.

>>> Lesen Sie hier: Wozu ist Wladimir Putin fähig? Psychogramm eines entrückten Kriegers

Die Ukraine hatte in der Vergangenheit wiederholt mit Angriffen auf die Brücke gedroht, was auch Einzug in die kulturelle Szene fand. Ein Künstler schuf beispielsweis das Bilder einer Briefmarke, die Brände auf der Brücke zeigt. Am Samstagmorgen posierten Kiewer Bürgerinnen und Bürger in der ukrainischen Hauptstadt für Fotos vor der übergroßen Briefmarke.

Eröffnet wurde die Straßenbrücke 2018, die Eisenbahnbrücke 2019. Die Konstruktion besteht aus zwei parallelen Brücken, sogenannten Stabbogenbrücken, jeweils für den Straßen- und Schienenverkehr, und den entsprechenden Zufahrtswegen.

Teileinsturz in Folge der Brände

Der Eisenbahnverkehr solle am Abend bereits wieder anlaufen.


(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Präsident Wladimir Putin wurde über die Explosion informiert und ordnete die Bildung eines Gremiums an, das sich mit Situation befassen soll. Der Eisenbahnverkehr auf der beschädigten Krim-Brücke soll am Abend (19.00 Uhr MESZ) wieder anlaufen. Die Agentur Interfax zitiert das russische Verkehrsministerium mit den Angaben. Auch der Autoverkehr soll auf den verbleibenden Fahrspuren wieder aufgenommen werden.

Ukraine feiert Brücken-Brand

Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak schrieb auf Twitter, dies sei „der Anfang“. Er reklamiert keine direkte Verantwortung der Ukraine für den Vorfall, schreibt aber auch: „Alles Illegale muss zerstört werden, alles Gestohlene muss an die Ukraine zurückgegeben werden, alles, was von Russland besetzt ist, muss vertrieben werden.“

In Kreisen westlicher Sicherheitsexperten gab es wenig Zweifel daran, dass die Ukraine die Attacke auf die Brücke durchgeführt hat. Mit dem Schlag wurde der Nachschub für die russischen Truppen auf der Krim unterbunden. Es werde nun sehr schwer, das nötige Material für die Streitkräfte heranzuführen. Die Ukraine hat eine Rückeroberung der Halbinsel angekündigt, die von Russland völkerrechtswidrig annektiert wurde.

Ein Vormarsch auf die Krim dürfte aus Sicht von Militärexperten indes schwer werden. Zum einen ist der Raum für einen Angriff beschränkt und zum anderen hat Russland gut ausgebildete Truppen dort stationiert. Da die Krim von der russischen Bevölkerung als Teil des eigenen Staatsgebiets betrachtet wird, dürfte die Motivation zur Verteidigung deutlicher höher sein als in Luhansk oder Cherson, hieß es in westlichen Sicherheitskreisen.

Nach Einschätzung eines Militärexperten wurde ein mobiler Sprengsatz eingesetzt, er eine enorme Kraft gehabt haben muss. An der Brücke habe der nicht vorab befestigt werden können, da es scharfe Kontrollen und eine TV-Überwachung gebe, sagte der Experte. Das Vorhaben müsse sehr gut vorbereitet worden sein, da auch ein Zug mit Treibstoff bei der Explosion beschädigt wurde. Dadurch wurde ein weiterer Teil der Brücke durch den Brand zerstört.

Die Internetzeitung Ukrajinska Prawda berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise in Kiew, dass der Geheimdienst SBU hinter der Spezialoperation stecke. Der SBU bestätigte das nicht, veröffentlichte aber wie viele offizielle Stellen in der Ukraine in den sozialen Netzwerken Aufnahmen von der brennenden Brücke – und stellte ein Gedicht dazu.

Postchef Ihor Smyljanskyj kündigte im Nachrichtenkanal Telegram den Druck einer Sondermarke von der Brücke an. „Der Morgen war noch nie schöner. Zu diesem Feiertag bringen wir eine neue Marke heraus mit der Krimbrücke – oder vielmehr mit dem, was von ihr übrig ist.“ Zuvor hatte die ukrainische Post schon eine Briefmarke des zerstörten russischen Kreuzers „Moskwa“ der russischen Schwarzmeerflotte herausgebracht.

Mit Agenturmaterial.

Mehr: Interview: Wie hoch ist die Gefahr eines russischen Atomangriffs auf die Ukraine?



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Politik

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