Oct 17, 2022
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Globale Trends: Arbeitsmarkt: Was bleibt, um den Beschäftigungsgrad in Deutschland zu steigern?

Written by Thomas Hanke


Globale Trends

Handelsblatt-Autor Thomas Hanke analysiert in der Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt.


(Foto: Klawe Rzeczy )

Ein Zyniker könnte meinen, dass die auf Inflationsbekämpfung gewendete Geldpolitik erste Erfolge zeigt: In den großen Industrieländern von den USA bis Deutschland sinkt die Zahl der offenen Stellen. Bis zum Sommer war sie auf ein Niveau gestiegen, das weit über dem lag, das vor der Covidpandemie erreicht war. Nicht nur die Pflege- und Heilberufe, die Gaststätten und Hotels suchen dringend Arbeitskräfte, sondern auch der industrielle Kern unserer Volkswirtschaften.

Im September ging die Zahl der angebotenen Jobs erstmals wieder abwärts. Das ist genau das, was die Zentralbanken wollen: Die Nachfrage nach Arbeit herunterschrauben, damit die Inflation nicht noch durch höhere Löhne befeuert wird.

Leider brauchen die Unternehmen und die reifen Volkswirtschaften insgesamt exakt das Gegenteil: nicht weniger Nachfrage nach Arbeit, sondern ein höheres Angebot an Arbeitskräften. Das könnte die bestehenden Spannungen am Arbeitsmarkt abbauen. Nur so kann mehr Wohlstand entstehen.

Als „Schicksalsfrage für unser Land, für unseren Wohlstand und somit auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ bezeichnete Arbeitsminister Hubertus Heil am vergangenen Donnerstag die Sicherung einer ausreichenden Zahl an Fachkräften.

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Durch höhere Löhne könnten die Unternehmen dazu beitragen, dass Menschen ihre Fähigkeiten anbieten, die sich aus irgendwelchen Gründen vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben oder nie erwerbstätig waren. Doch genau das geht nicht, weil die Zentralbanken hineingrätschen – womit wir wieder am Ausgangspunkt wären.

Das ist das Dilemma, in dem die Industriestaaten stecken: Die kurzfristige Politik zur Bekämpfung der Inflation steht auf Konfrontationskurs zum strukturellen Ziel, die Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung in alternden Gesellschaften zu verhindern. Nur in Frankreich nimmt derzeit noch die Zahl der Aktiven zu, wegen des früheren guten Bevölkerungswachstums.

Beschäftigungsgrad steigern – aber wie?

Wenn der Weg über höhere Löhne versperrt ist, was bleibt dann, um den Beschäftigungsgrad zu steigern? Ein Weg: die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen. Doch dafür ist eine bessere Kinderbetreuung nötig, und gerade da fehlen besonders viele Fachkräfte.

Ein anderer: Das Bildungssystem sollte weniger Schulversager produzieren. Im OECD-Vergleich steht Deutschland hier nicht besonders gut da. Der Ansatz ist mühselig, aber vielversprechend: Bessere Bildung schafft höhere Einkommen und verbessert die Produktivität.

Ein weiterer Weg ist mehr Zuwanderung. Minister Heil will ihn beschreiten. Einen Zustrom an Migranten haben wir im Moment in größerem Umfang, als vielen Kommunen lieb ist. Deren Notrufe wegen Überlastung in puncto Finanzen und Wohnraum dominieren die politische Debatte.

Die Chancen bleiben unterbelichtet. Die USA verdanken ihr überlegenes Wachstum der vergangenen Jahrzehnte vor allem der im Vergleich zu Europa stärkeren Zuwanderung.

Viele Ukrainer werden auf Dauer in Deutschland bleiben. Damit daraus ein Erfolg für sie und das Land wird, ist viel Mikromanagement erforderlich. Da hapert es häufig. Ein Berliner Bezirk bringt ukrainische Kinder in wenigen Tagen in einer Schule unter, ein anderer schafft es auch nach Wochen nicht. Die enorme private Hilfsbereitschaft wird nicht verschränkt mit staatlichen Aktivitäten.

>> Lesen Sie hier: Was hilft gegen den Fachkräftemangel: 42 Stunden pro Woche arbeiten oder nur 25?

Ähnlich ist es bei einem weiteren Ansatz, der längeren Lebensarbeitszeit. Über die starre Altersgrenze hinaus zu arbeiten kann sofort wertvolle Fachkräfte mobilisieren. Das kann man nicht anordnen, aber durch gezielte Angebote ermöglichen.

Eines scheint sicher – im Konzert der Industriestaaten werden nach dieser Krise einige besser dastehen als andere: diejenigen, die sich nicht fatalistisch mit den Effekten der restriktiven Geldpolitik abfinden, sondern sich mit allen infrage kommenden Akteuren dafür einsetzen, das Angebot an Arbeitskräften zu steigern.

Mehr: So viele Flüchtlinge wie 2015 – Kommunen fordern europaweite Verteilung



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Politik

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