Oct 17, 2022
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Konjunktur: Chinas Statistikbehörde hält Wachstumszahlen während des Parteikongresses zurück

Written by Sabine Gusbeth


Containerhafen im ostchinesischen Qingdao

In China wurden wichtige Konjunkturdaten bisher nicht veröffentlicht.



(Foto: dpa)

Peking Chinas Statistikbehörde hat die Veröffentlichung der Wachstumszahlen für das dritte Quartal ohne Angabe von Gründen verschoben. Es wird vermutet, dass dies in Zusammenhang mit dem Parteikongress der Kommunistischen Partei steht, der derzeit in Peking stattfindet. 

Eine Sprecherin der Statistikbehörde bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass die Publikation der Daten, die ursprünglich für Dienstag vorgesehen war, verschoben wird. Einen Grund für die Verzögerung oder einen neuen Zeitpunkt für die Veröffentlichung konnte sie nicht nennen. Auch die Septemberdaten zu Arbeitslosigkeit, Industrieproduktion, Handelsumsätzen und Immobilienverkäufen werden vorerst nicht bekannt gegeben. 

Bereits am Freitag war die Veröffentlichung der Außenhandelszahlen ohne Angabe von Gründen verschoben worden. Die Exporte gelten als letzte verbliebene Stütze für Chinas Wirtschaft, die unter wiederholten Lockdowns und der sich zuspitzenden Immobilienkrise leidet.

Noch am Montagvormittag (Ortszeit) hatte der Chef der mächtigen Reform- und Entwicklungskommission (NDRC), Zhao Chenxin, bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Parteikongresses der Kommunistischen Partei betont, die Wirtschaft habe sich im dritten Quartal „wirklich erholt“.

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Experten gehen davon aus, dass die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal um drei bis 3,5 Prozent gewachsen sein dürfte. Im zweiten Quartal hatte sie mit einem Miniplus von 0,4 Prozent nahezu stagniert.

Chinas Wirtschaft erholt sich nur langsam vom Lockdown-Schock

Dass die Daten nicht planmäßig veröffentlicht werden, sei „kein gutes Zeichen“, sagte Jeremy Stevens, China-Chefökonom bei der Standard Bank, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er sei jedoch nicht überrascht, wenn man bedenke, „wie wichtig das Ergebnis ist“.

Auch Duncan Wrigley, China-Chefökonom bei Pantheon Macroeconomics, spricht von einem „politisch sensiblen Zeitpunkt“. Er verweist auf die erwartete Wiederernennung von Parteichef Xi Jinping für eine dritte Amtszeit, aber auch auf die wirtschaftlichen Probleme.

Die chinesische Wirtschaft erholt sich deutlich langsamer, als von vielen erhofft worden war. So räumte auch NDRC-Sprecher Zhao „größere Schocks als erwartet“ ein. Dennoch attestierte er der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt eine große Widerstandskraft.

Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte bei seiner Rede auf dem laufenden Parteikongress am Sonntag die großen wirtschaftlichen Erfolge während seiner bisherigen Amtszeit betont. Er war auf die aktuellen Probleme aber nicht eingegangen.

Xi sprach auch von Erfolgen der Null-Covid-Strategie im Land. Im Vorfeld des Parteikongresses hatten Parteimedien ein Festhalten an der strikten Null-Toleranz-Politik signalisiert, die immer wieder zu Lockdowns führt.

Das Wachstumsziel von 5,5 Prozent für das laufende Jahr, das sich die chinesische Staatsführung im Frühjahr selbst gesteckt hatte, gilt als nicht mehr erreichbar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem Wachstum von 3,2 Prozent. Die Weltbank geht sogar nur von einem Zuwachs von 2,8 Prozent aus.

>> Lesen Sie auch: Die Allmachts-Ansprüche von Staatschef Xi sind ein Desaster für Europas Unternehmen

Es wäre nach dem ersten Jahr der Pandemie 2020 erst das zweite Mal seit vier Jahrzehnten, dass das Wachstum in China so niedrig ausfällt. China würde damit zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren langsamer als die restlichen Schwellenländer Asiens wachsen.

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Der IWF hat zuletzt davor gewarnt, dass Chinas Immobilienkrise auf Banken, Unternehmen oder lokale Regierungen „überschwappt“. Der Immobiliensektor hatte in den vergangenen Jahren direkt und indirekt bis zu ein Drittel zur chinesischen Wirtschaftsleistung beigetragen. Die Schwäche der chinesischen Wirtschaft sei „zu einem großen Teil“ auf Probleme im Immobiliensektor des Landes zurückzuführen, betont Mark Williams, Asien-Chefökonom des Analysehauses Capital Economics. 

Doch offenbar wollen viele in der Partei die Probleme nicht wahrhaben. Von „Realitätsverweigerung“ spricht ein Regierungsinsider. Im Vorfeld des Parteikongresses waren die Handelskammern einiger EU-Länder aufgefordert worden, Umfragen, die die schlechte Stimmung ihrer Mitgliedsunternehmen angesichts der trüben wirtschaftlichen Aussichten offenbaren, vorerst nicht zu veröffentlichen. 

Mehr: Warum Chinas Immobilienkrise gefährlicher ist als alle Corona-Lockdowns



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Politik

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