Oct 21, 2022
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Pandemie: Corona-Herbstwelle bricht – doch Experten sehen keine Trendwende

Written by Jürgen Klöckner


Teststation

Der Rückgang der Corona-Neuinfektionen dürfte trügerisch sein, mahnen Experten.



(Foto: dpa)

Berlin Mehrere Kennzahlen deuten darauf hin, dass sich die Coronaherbstwelle in der vergangenen Woche etwas abgeflacht hat. So ist die bundesweite Coronainzidenz nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in der vergangenen Woche deutlich weniger stark gestiegen als zuletzt.

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner nahm in der vergangenen Woche im Vergleich zur Vorwoche um acht Prozent zu, wie das RKI in seinem Coronawochenbericht am Donnerstagabend schrieb. Eine Woche zuvor hatte der Anstieg noch bei 28 Prozent gelegen, zwei Wochen vorher sogar bei 54 Prozent.

Entwarnung geben Experten allerdings noch nicht. „Der aktuell zu beobachtende Rückgang stellt ziemlich sicher keine Trendwende dar“, sagte der Berliner Epidemiologe Timo Ulrichs dem Handelsblatt. „Die wäre erreicht, wenn das Virus in seiner Ausbreitung auf immer weniger noch empfängliche Menschen treffen würde.“

Aber das sei aus zwei Gründen unwahrscheinlich: „Wir haben immer noch mehr als 20 Millionen Ungeimpfte, und bereits Infizierte haben keine gute Immunität gegen das Virus, weil die Omikron-Variante durchaus bereits Infizierte ein zweites Mal infizieren kann“, sagte Ulrichs.

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Vielmehr sei die aktuelle Situation wohl eher durch die hohe Zahl an nicht erfassten Infektionsfällen ausgelöst. „Viele Menschen befinden sich in den Herbstferien, und da wird weniger getestet, und die ursprünglichen Umgebungen sind andere“, sagte Ulrichs. „Es könnte sehr gut sein, dass wir nach dem Ende der Ferien wieder mehr Infektionsfälle sehen werden.“

Ähnlich erklärte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) den aktuellen Rückgang der Infektionen. „Der Anstieg der Coronafallzahlen ist zunächst gebremst, ein Effekt der Herbstferien“, schrieb Lauterbach auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Nach den Herbstferien beginnt ein Marathon gegen das Virus.“ Der Beginn der Herbstferien unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. In sieben beginnen die Ferien erst in der kommenden Woche.

Auch das RKI schreibt, dass der Trend möglicherweise mit den Herbstferien zusammenhängt. Laut Wochenbericht sank bei Kindern im Alter von 5 bis 14 Jahren die Zahl der Arztbesuche mit einer Coronainfektion und Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung. In der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen verzeichnete das RKI auch einen Rückgang der Sieben-Tage-Inzidenz. Bereits in der Woche zuvor habe es hier eine sinkende Tendenz gegeben.

Debatte um Masken- und Impfpflicht geht weiter

Angesichts der Entwicklung wollen mehrere Bundesländer vorerst auch auf eine Maskenpflicht in Innenräumen verzichten. Die Länder können mit dem neuen Infektionsschutzgesetz diese Maßnahmen nach eigenem Ermessen einführen. Dazu rief auch Gesundheitsminister Lauterbach auf.

Der Berliner Senat etwa hatte sich diese Woche dafür entschieden, die Maskenpflicht vorerst doch nicht auszuweiten. Auch die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern erklärte in dieser Woche, die Corona-Landesverordnung unverändert zu lassen.

>> Lesen Sie mehr: Neue Regeln seit Oktober – Was im Herbst und Winter gilt

Das Land Baden-Württemberg erklärte gar, die vom Bund erlassene Maskenpflicht für Bewohner in Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen nicht hinnehmen zu wollen. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Grimm-Benne hingegen, die auch den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz innehat, sprach sich dafür aus, in Innenräumen wieder grundsätzlich Maske zu tragen.

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Auf den ersten Blick widersprüchlich dazu klingen die Forderungen einiger Länder, die geltende Impfpflicht im Bereich Gesundheit und Pflege nicht zu verlängern. Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen forderten ein Ende der Regel. Anlass sind aber nicht die sinkenden Fallzahlen, sondern ist die Befürchtung, dass die Impfpflicht den Personalmangel im Gesundheitswesen noch verschärft.

Denn in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sorgen die hohen Infektionszahlen für teils massive Personalausfälle. „Die einrichtungsbezogene Impfpflicht bringt uns mehr Schaden als Nutzen“, sagte etwa Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). „Wir brauchen jede verfügbare Arbeitskraft in Medizin, Pflege und Eingliederungshilfe.“

Mit Agenturmaterial.

Mehr: „Gefährdung ist real und beweisbar“ – Wie die Corona-Herbstwelle schon jetzt ganze Branchen lahmlegt



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Politik

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