Oct 26, 2022
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Ifo-Beschäftigungsbarometer: In Industrie und Handel droht Stellenabbau

Written by Frank Specht


Einkaufsstraße in Köln

Die krisenbedingte Kaufzurückhaltung der Konsumenten lässt Einzelhändler über Stellenabbau nachdenken.



(Foto: dpa)

Berlin Die Ungewissheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung angesichts von Ukrainekrieg und gestiegenen Energiekosten schlägt sich in den Beschäftigungsabsichten nieder. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer, das die Konjunkturforscher des Instituts monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnen, ist im Oktober auf 97,7 Punkte gefallen – nach 99,4 Zählern im September. Es rangiert damit auf dem niedrigsten Stand seit April 2021. Für das Barometer befragt Ifo monatlich rund 9000 Unternehmen zu ihren Beschäftigungsabsichten.

Der Teilindikator für die Industrie ist erstmals seit Februar 2021 wieder in den negativen Bereich gerutscht. Das heißt, dass die Zahl der Unternehmen, die Stellen streichen wollen, die Zahl der Firmen übersteigt, die einen Personalaufbau planen. Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, erwartet daher gegenwärtig keinen Anstieg der Beschäftigung in der Industrie.

So verteidigte BASF-Chef Martin Brudermüller am Mittwoch noch einmal das angekündigte Sparprogramm des Konzerns. Der europäische Chemiemarkt wachse seit rund einem Jahrzehnt nur noch schwach, gestiegene Energiepreise und die EU-Regulierung gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb müsse man Kosten sparen, sagte Brudermüller. Stellenstreichungen schließt der Konzern nicht aus.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hatte jüngst die Ergebnisse einer Blitzumfrage unter 1400 Mitgliedsunternehmen veröffentlicht, wonach gut ein Drittel der Firmen auch mit Personalabbau auf das veränderte wirtschaftliche Umfeld reagieren will. Das gilt besonders für die Automobil- und Zuliefererindustrie sowie Metallhersteller.

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Auch für den deutschen Maschinenbau sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig. Trotzdem wollen nur rund 15 Prozent der Unternehmen Personal abbauen, mehr als die Hälfte plant, ihre Belegschaft aufzustocken, wie der Branchenverband VDMA in einer Umfrage ermittelte.

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„Wir gehen davon aus, dass die Maschinen- und Anlagenbauer wieder einmal alles daransetzen, qualifizierte Fachkräfte zu halten und auch neue einzustellen“, sagte VDMA-Präsident Karl Haeusgen vor gut zwei Wochen auf dem Maschinenbaugipfel in Berlin. Denn gute Leute seien knapp und würden es auch bleiben.

Auch andere Unternehmen sehen sich derzeit in einem schwierigen Spannungsfeld. Trotz der wirtschaftlichen Ungewissheit zögern Firmen mit dem Personalabbau aus Sorge, keine qualifizierten Mitarbeiter mehr zu finden, wenn das Geschäft wieder anziehen sollte.

Kaufzurückhaltung macht dem Einzelhandel zu schaffen

„Meldungen zu Neueinstellungen und Entlassungen halten sich gegenwärtig in etwa die Waage“, sagt Ifo-Experte Wohlrabe. „Es kehrt Vorsicht auf dem Arbeitsmarkt ein.“

Noch unsicherer als das verarbeitende Gewerbe sind die Einzelhändler bei ihren Beschäftigungsabsichten: „Da die Kaufzurückhaltung der Menschen dem Handel derzeit zu schaffen macht, haben die Unternehmen der Branche ihre Personalpläne revidiert“, sagt Wohlrabe. „Im Einzelhandel ist mit Entlassungen zu rechnen.“

So ist das HDE-Konsumbarometer, das monatlich vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband HDE berechnet wird, im Oktober auf ein neues Allzeittief gefallen.

Die Dienstleister insgesamt wollen zwar weiter Personal einstellen, ihre Beschäftigungsabsichten sind aber gedämpfter als im Vormonat. Auch vom Baugewerbe sind aktuell kaum Beschäftigungsimpulse zu erwarten. Stellenabbau ist allerdings momentan noch kein großes Thema.

Mehr: Ifo-Institut: Ein Viertel der Unternehmen plant Abbau von Arbeitsplätzen



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Politik

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