Nov 1, 2022
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DIHK-Konjunkturumfrage : Industrie steckt in der Energiefalle: Unternehmen drosseln Produktion

Written by Frank Specht


Autoproduktion

Die hohen Energiepreise bringen viele produzierende Unternehmen in Schwierigkeiten.


(Foto: AUDI AG)

Berlin Die Energiekrise macht der Industrie schwer zu schaffen. Etliche Unternehmen sehen sich gezwungen, womöglich bald schwerwiegende Konsequenzen zu ziehen: 17 Prozent der Industriebetriebe wollen ihre Produktion wegen der hohen Energiepreise drosseln.

Etwa jedes zwölfte Industrieunternehmen (acht Prozent) will seine Produktion aufgrund der gestiegenen Kosten verlagern. Besonders häufig sehen sich Unternehmen aus dem Kraftfahrzeugbau (17 Prozent) dazu gezwungen.

Dies geht aus einer neuen Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervor, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Für DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sind die Zahlen alarmierend: „Die Lage unserer Wirtschaft ist dramatisch – konsequentes Krisenmanagement und schnelleres Agieren sind jetzt unbedingt notwendig.“

Der DIHK hat in seiner neuen Erhebung die Unternehmen gesondert gefragt, wie sie auf die Krise reagieren wollen. Fast drei von fünf Unternehmen (59 Prozent) planen, die gestiegenen Energiekosten zum Großteil an ihre Kunden weiterzugeben. Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen sind für 38 Prozent eine Option.

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Für etliche Betriebe reichen diese Schritte aber nicht aus. „Bei uns leuchten die Lampen auf Rot, weil wir sehen, in welcher Geschwindigkeit sich die Finanzierungssituation in den Unternehmen verschlechtert – ein Thema, das lange Jahre von der Tagesordnung verschwunden war“, sagt Wansleben.

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Besonders trist ist die Lage laut DIHK-Umfrage in der Automobilbranche. 43 Prozent der Autobauer bezeichnen ihre Finanzlage mittlerweile als problematisch, bei den Zulieferern sind es sogar fast die Hälfte (49 Prozent) – ein starker Anstieg seit Frühsommer. Der Anteil der Zulieferer, die sich von Insolvenz bedroht sehen, hat sich im gleichen Zeitraum von ein auf drei Prozent verdreifacht.

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Die Energiekosten sind so drückend, dass bereits 16 Prozent der Automobilhersteller ihre Produktion reduziert haben und 17 Prozent ihre Produktion verlagern wollen. Angesichts der Rekordinflation, der gedrückten Konsumlaune der Verbraucher und auch der Investitionszurückhaltung der Unternehmen bereitet ihnen auch der heimische Absatzmarkt Sorgen. Der Anteil der Betriebe, die die Inlandsnachfrage als Geschäftsrisiko sehen, hat sich von 41 auf 58 Prozent erhöht.

Die Arbeitskosten sind nach den hohen Energie- und Rohstoffpreisen mittlerweile das zweitgrößte Risiko im Kraftfahrzeugbau. 64 Prozent der Unternehmen halten die Arbeitskosten inzwischen für ein Risiko, so hoch war der Wert noch nie. Auf Platz drei der größten Risiken rangiert der Fachkräftemangel.

Genau dieser Zwiespalt spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider. Einerseits werden die Betriebe aufgrund der Unsicherheit und hoher Preise zurückhaltender bei Einstellungen.

Unternehmen vermeiden Entlassungen

Andererseits vermeiden sie Entlassungen – aus Sorge, bei einem Wiederanziehen der Konjunktur kein Personal mehr zu finden. „Normalerweise gibt es nur eines von beidem: starken Arbeitskräftebedarf oder schwache Konjunktur. Aber im Moment trifft Knappheit auf Krise“, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

So ist das IAB-Arbeitsmarktbarometer zum sechsten Mal in Folge gefallen, auf 100,2 Punkte. Es liegt damit nur noch ganz knapp über der neutralen Marke von 100 Zählern.

Die lokalen Arbeitsagenturen in Deutschland, die für den Frühindikator monatlich befragt werden, sehen zwar weiter einen positiven Beschäftigungstrend. Allerdings erwarten sie parallel auch steigende Arbeitslosigkeit, was vor allem mit der Aufnahme ukrainischer Geflüchteter zusammenhängt. „Die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine erhöht schlagartig das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland und damit zunächst die Arbeitslosigkeit wie auch – stärker zeitverzögert – die Beschäftigung“, sagt Weber.

Die hohen Preise bringen viele Unternehmen in Schwierigkeiten. Der Anteil derer, die ihre Existenz bedroht sehen, liegt aber laut einer Befragung des Ifo-Instituts deutlich niedriger als während der Coronapandemie. „Angesichts der kräftigen konjunkturellen Abkühlung zeigen sich die Unternehmen sehr robust“, schätzt Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe die Lage optimistischer ein als der DIHK.

Im Einzelhandel berichten 11,6 Prozent der Unternehmen von einer existenzbedrohenden Situation. Schwierig bleibe die Lage für viele Betriebe aus der Textilbranche, aber auch in der Metallbranche hätten die Sorgen zugenommen. „Die gestiegenen Energiepreise haben vor allem in energieintensiven Branchen zu einer leicht erhöhten Existenzangst geführt“, sagt Wohlrabe.

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Politik

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