Nov 5, 2022
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Frankreich: Nachfolger von Marine Le Pen: Jordan Bardella führt Frankreichs Rechtsextreme an

Written by Tanja Kuchenbecker


Paris Jordan Bardella ist neuer Parteichef des rechtsextremen Rassemblement National (RN) in Frankreich. Der erst 27-Jährige löst damit Marine Le Pen ab. Als bekanntestes Gesicht der Partei dürfte sie aber weiterhin die Geschicke des RN bestimmen.

Bardella war seit September 2021 Interimschef der Partei. Le Pen hatte sich zurückgezogen, um sich um ihre Präsidentschaftskandidatur zu kümmern, und danach entschieden, den Vorsitz der Partei abzugeben. Bei dem Parteikongress in Paris wurde nun der Nachfolger bekanntgegeben.

Damit endet eine Ära: Bardella, der meist elegant mit Anzug und Krawatte auftritt, löst die Familie Le Pen ab. Marine Le Pens Vater Jean-Marie gründete die Partei 1972 unter dem Namen Front National und stand ihr bis 2011 vor, Marine übernahm danach.

Die Wahl ist eine neue Etappe in der Strategie von Le Pen, eines Tages an die Macht zu kommen. Bardella hatte es sich als Ziel gesetzt, mindestens 67,65 Prozent zu erhalten, so viel wie Marine Le Pen im Jahr 2011. Nun hat er sogar besser als seine Mentorin abgeschnitten: Bardella erreichte 84,84 Prozent der Stimmen und besiegte damit den 53-jährigen Louis Aliot. Die rund 40.000 Anhänger der Partei konnten elektronisch abstimmen.

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Le Pen will ihre Partei verjüngen und hatte deshalb Bardella als Kronprinzen aufgebaut. Aber in Frankreich wurde auch spekuliert, sie stelle ihn ins Rampenlicht, damit ihre Nichte Marion Maréchal ihr nicht mehr die Schau stehlen kann. Louis Aliot, Bürgermeister von Perpignan, ehemaliger Vizepräsident der Partei und Ex-Freund von Le Pen, gehört dagegen zur alten Garde. Bei der Abstimmung handele es sich um eine Entscheidung zwischen den „Alten“ und den „Modernen“ , schrieb deshalb auch die Wirtschaftszeitung „Les Echos“.

Bardella gilt als Le Pens „guter Soldat“

Le Pen gibt aber weiter den Ton an. „Sie ist der politische Führer, ich bin der General der Armee“, erklärt Bardella. Er gilt in Frankreich als ihr „guter Soldat“.

Bei der Wahl ging es nicht um eine neue ideologische Ausrichtung, sondern um eine Persönlichkeit, die Le Pens Vorstellungen in Zukunft am besten verkaufen kann. Gleichzeitig kann sie sich damit von der Parteipolitik distanzieren.

Jordan Bardella

Der 27-jährige Sohn einer italienischen Familie kommt aus einer Arbeitervorstadt und kann sich damit als Gegenstück zur französischen Elite präsentieren.


(Foto: imago images/PanoramiC)

Beide Kandidaten betonten immer wieder, sie seien „Marinisten“, stehen also zu Marine Le Pen. Diese verbindet in ihrer rechtsextremen Linie die Verteidigung der „französischen Identität“ mit sozialen Aspekten. Sie will mehr Kaufkraft für die weniger Privilegierten schaffen und schließt Staatseingriffe in die Wirtschaft nicht aus, im Gegensatz zum Wirtschaftsliberalismus, für den ihr rechtsextremer Konkurrent bei den Präsidentschaftswahlen Éric Zemmour steht.

Bardella sieht Le Pen als beste Kandidatin ihrer Partei für die Präsidentschaftswahl 2027. „Sie führt die Opposition, ich organisiere die Partei“, so Bardella. Le Pen hat die Fraktion von RN in der Nationalversammlung übernommen, die seit den Parlamentswahlen 89 Abgeordnete hat.

Der neue Parteichef stammt aus einer italienischen Einwandererfamilie und wuchs in einer Sozialwohnung im Pariser Arbeitervorort Drancy auf. Er kommt nicht aus der französischen Elite, die Le Pen als Feindbild auserkoren hat. Viele RN-Wähler können sich mit ihm identifizieren.

Auch sein Alter ist ein Vorteil, denn die Partei hat viele junge Wähler aus den unteren Gesellschaftsschichten. Dazu kommt, dass die Wahl von Bardella doch in der Familie bleiben würde, er ist mit einer Nichte von Marine Le Pen zusammen.

Le Pen und Bardella

Le Pen will das Image ihrer Partei verjüngen – und positioniert Bardella dafür als ihren Nachfolger.


(Foto: AP)

Der Nachwuchspolitiker hat eine große Begeisterung für seine Mentorin. Er war schon mit 16 Jahren der Partei beigetreten, brach für die Politik sein Geografiestudium ab und bewundert die Chefin: „Ich bin nur wegen Marine Le Pen Mitglied geworden.“ Le Pens Liebling präsentiert sich eloquent im Fernsehen und setzt ihre Ideen einer Entdämonisierung der Partei um.

Skandal um rechtsextremen Zwischenruf im Parlament

Der Wechsel an der Parteispitze wird allerdings von einem Skandal in der Nationalversammlung überschattet. Ein fremdenfeindlicher Zwischenruf eines RN-Abgeordneten während der Rede eines schwarzen Abgeordneten brachte Grégoire de Fournas einen 15-tägigen Ausschluss aus der Nationalversammlung ein.

Fournas hatte seinen Kollegen aufgefordert, zurück nach Afrika zu gehen. Seine Partei hatte gegen den Ausschluss gestimmt.

Bardella muss nun die Wogen wieder glätten. Darüber hinaus hat er zwei weitere Probleme: Er ist in Frankreichs Lokalpolitik nicht verankert und gilt als kalt und undurchschaubar, als „Roboter“ oder „Marionette“ von Marine Le Pen. Er muss deshalb erst mal an seinem Image arbeiten.

Unterschätzen sollte Le Pen ihren ehrgeizigen Zögling allerdings nicht. Der begeisterte Boxer hat schon das Abitur mit Auszeichnung bestanden. Sein Aufstieg ging extrem schnell, von dem Moment an, als er 2019 die Spitze der Parteiliste für die Europawahlen 2020 übernahm, bei denen diese stärkste Kraft wurde. Vorher hatte er sich als Parteisprecher bewährt und die Jugendorganisation der Partei geleitet.

Politikexperten in Frankreich sehen ihn als die Zukunft für RN. Sollte Marine Le Pen 2027 die Präsidentschaftswahlen nicht gewinnen, könnte er 2032 antreten. Dann wäre er erst 37 Jahre alt.

Mehr: Marine Le Pen und Giorgia Meloni – Die rechten Ikonen Europas verbindet eine Hassliebe



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Politik

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