Nov 12, 2022
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Klimaschutz: Bund fördert Fernwärme mit Milliarden – Viele Stadtwerke rüsten auf

Written by Klaus Stratmann


Fernwärme-Leitung

Mit dem neuen Förderprogramm will die Bundesregierung den Neubau und den Umbau von Wärmenetzen voranbringen.


(Foto: dpa)

Berlin Die Wahl der richtigen Heizungsvariante stellte Hauseigentümer vor Probleme. Die Gasheizung, in Deutschland bei den neu installierten Heizungen viele Jahre in der Beliebtheitsskala unangefochtener Spitzenreiter, ist angesichts der Gasversorgungskrise und wegen wachsender Klimaschutzanforderungen weniger gefragt. Eine elektrische Wärmepumpe kommt nicht für jedes Haus in Betracht. Hybridlösungen oder Pelletheizungen wiederum erfordern mitunter hohe Investitionen.

Es gibt eine Alternative: Anschluss an ein Fernwärmenetz. Mit der „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“ (BEW) unterstützt die Bundesregierung den Bau neuer Wärmenetze, die einen Anteil von 75 Prozent erneuerbarer Energien aufweisen, sowie die Dekarbonisierung bestehender Netze. Das Programm wurde Mitte September aufgelegt. Es ist mit drei Milliarden Euro ausgestattet. Das Programm richtet sich an die Anbieter.

Das Echo ist positiv. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hat nach eigenen Angaben bislang 102 Anträge erhalten. Laut Bafa haben sich die Antragszahlen pro Monat damit im Vergleich zum Vorgängerprogramm „Wärmenetzsysteme 4.0“ bisher mehr als verdreifacht.

Bei 37 der 102 Antragsteller handelt es sich um Unternehmen mit kommunaler Beteiligung, das können etwa Stadtwerke sein. Sie stellen damit die größte Gruppe der Antragsteller. 33 Antragsteller sind private Unternehmen, 16 sind kommunale Gebietskörperschaften, also Städte oder Gemeinden, es folgen eingetragene Verein, gemeinnützige Investoren und Genossenschaften.

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Mit dem BEW-Programm werden Wärmenetze ab 17 zu versorgenden Gebäuden oder 101 zu versorgenden Wohneinheiten gefördert. Die Förderung ist in vier Module aufgeteilt, die verschiedene Förderstufen umfassen. Die Stufen beginnen bei der Förderung von Transformationsplänen und Machbarkeitsstudien, reichen über die Förderung des Neubaus von Wärmenetzen und die Förderung der Transformation bestehender Wärmenetze bis zu einer Förderung der Betriebskosten.

Wärmenetze bieten sich besonders in Ballungsräumen an. Dort kann man mit relativ kleinen Netzen viele Abnehmer erreichen, was die Effizienz des Netzes erhöht und Wärmeverluste beim Transport durchs Netz begrenzt.

Fernwärme spielt in einigen Regionen schon eine große Rolle

Wärmenetze haben in einigen Regionen Deutschlands schon lange eine große Bedeutung. Nach Branchenangaben liegt der Anteil der Wohnungen und Häuser, die über ein Wärmenetz versorgt werden, bei rund 13 Prozent.

Die meisten Wärmenetze in Deutschland werden im Moment noch auf der Basis von Kohle oder Erdgas betrieben. Der Anteil an klimaneutral bereitgestellter Wärme im deutschen Fernwärmenetz beträgt nach Angaben des Statistischen Bundesamts heute bereits rund 22 Prozent. Das BEW-Programm soll dazu beitragen, dass dieser Anteil möglichst schnell steigt.

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde

Die meisten Wärmenetze in Deutschland werden im Moment noch auf der Basis von Kohle oder Erdgas betrieben.



(Foto: dpa)

Gerade neuere, insbesondere kleinere bis mittelgroße Wärmenetze werden heute schon oft auf der Basis von erneuerbaren Energien betrieben, nutzen Biomasse, Holzhackschnitzel, Solar- oder Geothermie bis hin zu Abwärme.

Dies kann – insbesondere im Neubaubereich mit gut gedämmten Häusern – zu einer vollständig klimaneutralen Wärmeversorgung führen. In bestehenden Fernwärmesystemen können bestehende konventionelle Erzeugungsanlagen durch erneuerbare Anlagen ergänzt oder ersetzt werden.

Energiebranche fordert Planungssicherheit

Die Energiebranche begrüßt das neue Programm des Bundes, betrachtet es aber nur als einen ersten Schritt. Die Förderung brauche „langfristig eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung und eine Verstetigung“, sagt Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU), in dem die Stadtwerke zusammengeschlossen sind. Sie betreiben einen großen Teil der Wärmenetze in Deutschland.

Unsicherheiten über verfügbare Fördermittel müssten unbedingt vermieden werden, damit geplante Investitionen in den Aus- und Umbau der Fernwärme auch tatsächlich ausgelöst würden, sagte Liebing. Außerdem fordert der VKU ein systematisches Vorgehen und hält in diesem Zusammenhang eine kommunale Wärmeplanung für unverzichtbar.

„So sollen die lokalen Energiepotenziale, vorhandene Infrastrukturen und der Verbrauch vor Ort optimal aufeinander zugeschnitten werden. Hier stehen noch Entscheidungen der Bundesregierung aus“, sagte Liebing.

Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung ist das Thema berücksichtigt. „Wir werden uns für eine flächendeckende kommunale Wärmeplanung und den Ausbau der Wärmenetze einsetzen“, heißt es darin.

Auch das Mitte Juli vorgestellte Klimaschutz-Sofortprogramm für den Gebäudesektor von Bundeswirtschafts- und Bundesbauministerium berücksichtigt die Themen Wärmenetze und Wärmeplanung. Für die Wärmeplanung fehlen aber noch Konkretisierungen.

Mehr: Kalter Entzug von russischem Gas – Deutschland droht ein Notstandswinter



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Politik

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