Nov 11, 2022
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Altersversorgung: Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen möchte spätestens mit 62 Jahren in Rente gehen

Written by Frank Specht

Berlin Mehr als die Hälfte der Bundesbürger wünscht sich, vor dem regulären Rentenalter aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Civey für das Demographie Netzwerk (DNN) würden gut 54 Prozent der Befragten gerne mit 62 Jahren oder früher in Rente gehen. Nur knapp elf Prozent wollen bis 67 oder länger arbeiten.

Die absehbaren Finanzierungsprobleme der sozialen Sicherungssysteme durch den Renteneintritt der Babyboomer und der Fachkräftemangel seien bekannt, sagt Niels Reith, Vorstandsmitglied beim DNN, das 2006 als Netzwerk von Unternehmen und Institutionen gegründet wurde. „Umso mehr müssen uns diese Zahlen alarmieren, dass viele Menschen keine Perspektive darin sehen, im Alter zu arbeiten.“

Im Jahr 2020 waren in Deutschland 75 Prozent der Männer und 68 Prozent der Frauen im Alter von 55 bis 64 Jahren erwerbstätig. Während sich die Quote bei den Frauen nahe am Rekordhoch bewegte, ist sie bei den Männern deutlich gesunken. 1970 lag sie noch bei rund 84 Prozent.

Das durchschnittliche Renteneintrittsalter ist in den zurückliegenden Jahren aber wieder gestiegen. 2020 lag es bei den Männern nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) bei 64,1 Jahren.

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Bei den Frauen waren es 64,2 Jahre – wobei der Wert durch die Ausweitung der Mütterrente statistisch etwas verfälscht wird. Allerdings nahm der Abstand zwischen dem Renteneintrittsalter und der Regelaltersgrenze, die bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird, wieder zu.

Vorzeitiger Ruhestand dürfte Wunschtraum bleiben

Ein vorzeitiger Ruhestand liegt also weiter im Trend – auch wenn er für viele ein Wunschtraum bleiben dürfte. Denn wie die Civey-Umfrage unter rund 2500 Erwerbstätigen weiter zeigt, fühlen sich gut 45 Prozent der Befragten nur unzureichend für das Alter abgesichert. Ein Viertel erwartet für das Alter eine finanzielle Absicherung, die „eher“ gut ist, und nur rund sechs Prozent sehen sie als „sehr gut“ an.

Mit Skepsis auf ihre Altersversorgung blicken vor allem Beschäftigte ohne Berufsabschluss und Arbeiterinnen und Arbeiter. Gestaffelt nach Altersgruppen sind es vor allem die unter 30-Jährigen, die sich Sorgen machen, bei der Unterscheidung nach Geschlechtern Frauen mehr als Männer.  

Die Bedenken hinsichtlich der Absicherung im Alter rührten wohl auch daher, dass sich das Verhältnis zwischen Einzahlern in die Rentenkasse und Rentenempfängern demografisch bedingt immer weiter verschiebe, sagt die Wirtschaftspsychologin Ulrike Fasbender von der Universität Hohenheim, die die Studie fachlich begleitet hat.

Auf das Problem hat diese Woche auch die Präsidentin der Rentenversicherung, Gundula Roßbach, beim traditionellen Presseseminar in Würzburg hingewiesen. Der demografische Wandel erzeuge Handlungsbedarf in der Alterssicherung, sagte sie laut Deutscher Presse-Agentur. So kämen heute im Schnitt rund 35 Menschen jenseits der Regelaltersgrenze auf 100 Menschen im Erwerbsalter. Schätzungen zufolge könnten es 2060 mehr als 50 sein.

Deshalb gehöre auch das Thema einer weiteren Anhebung des Rentenalters wieder auf die Agenda, sagte der Arbeitgebervertreter im Bundesvorstand der Rentenversicherung, Alexander Gunkel. Spätestens im Jahr 2026, also zu Beginn der neuen Legislaturperiode, sollte darüber eine politische Entscheidung fallen, sagte er.

Renteneintrittsalter und Lebenserwartung

Die Arbeitgeber und ihnen nahestehende Ökonomen wie der Wirtschaftsweise Martin Werding fordern schon lange eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung, stoßen dabei aber auf entschiedenen Widerstand der Gewerkschaften.

>> Lesen Sie hier: Rentenversicherung steht finanziell besser da als gedacht

Auch DNN-Vorstand Reith äußert sich skeptisch: „Es ist auffällig, dass einige aktuelle Debatten anscheinend mit der Stimmung in der Gesellschaft nicht zusammenpassen.“ Auffällig bei der Befragung ist, dass es vor allem in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen eine deutliche Verschiebung mit Blick auf den Ruhestand gab.

Wollten im vergangenen Jahr noch rund 62 Prozent der Befragten dieser Altersgruppe bis zum 62. Lebensjahr in Rente gehen, waren es in diesem Jahr 73,5 Prozent. Dies könne ein Hinweis auf eine mögliche Mehrfachbelastung dieser Altersgruppe in der Coronapandemie sein, schlussfolgern die Studienautoren.

Aus der Umfrage werde jedoch auch deutlich, dass die Bereitschaft, über die Altersgrenze hinaus beruflich tätig zu sein, mit dem Alter steige, sagt Reith. „Insbesondere erfahrene Fachkräfte sind häufiger motiviert, auch im Alter aktiv zu sein.“ Allerdings sollte man hier ganz genau hinschauen, wer weiterarbeiten wolle und wer müsse, weil sie oder er sonst finanziell nicht über die Runden komme.

Mehr: Arbeitslos kurz vor der Rente – diese Optionen haben Sie



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