Nov 16, 2022
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Energiewende: „Steiler Hochlauf“: Zahl der verbauten Wärmepumpen steigt stark an

Written by Klaus Stratmann


Herstellung von Wärmepumpen

Die Industrie steckt Milliarden in den Ausbau der Produktionskapazitäten.



(Foto: dpa)

Berlin Die Zahl der in Deutschland verbauten Wärmepumpen zur Beheizung von Gebäuden steigt rapide an. So wurden im September 2022 69 Prozent mehr Wärmepumpen installiert als im Vorjahresmonat. Das zeigen Zahlen der Branchenverbände.

Insgesamt dürften in diesem Jahr rund 230.000 Wärmepumpen montiert werden, deutlich mehr als die 154.000 Geräte im Vorjahr. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht deshalb deutliche Anzeichen dafür, dass sich die elektrische Wärmepumpe in Deutschland als Standardlösung durchsetzt.

Habeck sprach am Mittwoch zum Abschluss des zweiten Wärmepumpen-Gipfels, zu dem er Branchenvertreter eingeladen hatte, von einem „vergleichsweise steilen Hochlauf“.

Nach Habecks Überzeugung sind Wärmepumpen die ideale Lösung, um die CO2-Emissionen im Gebäudesektor deutlich zu reduzieren. Sie nutzen die Temperatur der Umgebungsluft und Strom, um Wärme zu erzeugen und damit Heizungssysteme zu betreiben. Sein Ziel ist es, die Zahl der Wärmepumpen bis 2030 auf sechs Millionen zu erhöhen. Derzeit sind in Deutschland 1,5 Millionen Wärmepumpen im Einsatz.

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„Die Produktionsseite wird den Hochlauf bewerkstelligen“, sagte Habeck. Das sei beim ersten Wärmepumpen-Gipfel Ende Juni noch nicht sicher gewesen.

Zwischenzeitlich haben die Hersteller massive Investitionen angekündigt. Nach Angaben von Jan Brockmann, Mitglied des Vorstands des Bundesverbands der Heizungsindustrie (BDH) und Chef von Bosch Thermotechnik, werden die Unternehmen drei bis vier Milliarden Euro in die Wärmepumpen-Technologie investieren. Allein für sein Unternehmen beläuft sich der Betrag nach Angaben Brockmanns auf 700 Millionen Euro.

Bis 2030 sollen sechs Millionen Wärmepumpen laufen

Um das Ziel von sechs Millionen Wärmepumpen zu erreichen, muss die Zahl der eingesetzten Wärmepumpen in Deutschland auch in den kommenden Jahren stark ansteigen. 2023 sollen bereits 350.000 Geräte eingebaut werden, 2024 sollen es 500.000 sein. Nach den Worten von Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), sind die Ziele „machbar“.

Zu den Herausforderungen zählt nicht nur der Produktionshochlauf. Auch qualifizierte Mitarbeitende, die die Anlagen installieren können, sind knapp. Die Branche der Heizungsinstallateure weist seit Langem darauf hin, dass ihr Leute fehlen. Das Bundeswirtschaftsministerium versucht, dieses Problem mit speziellen Förderprogrammen und Qualifizierungsoffensiven in den Griff zu bekommen.

Robert Habeck

Der Wirtschaftsminister sieht das Ziel von sechs Millionen Wärmepumpen im Jahr 2030 weiter in Reichweite.



(Foto: dpa)

Die Branche pocht außerdem darauf, den Einbau von Wärmepumpen weiterhin umfassend und verlässlich mit öffentlichen Mitteln zu fördern. Aktuell kann der Einbau mit einer Förderung in Höhe von bis zu 30 Prozent unterstützt werden. In der Anschaffung sind Wärmepumpen noch deutlich teurer als fossil betriebene Geräte.

>> Lesen Sie auch: Für wen lohnt sich eine Wärmepumpe?

Habeck sagte, er plädiere dafür, die im Koalitionsvertrag vorgesehene „Superabschreibung“ für Investitionen in Klimaschutztechnologie jetzt einzusetzen, um den Hochlauf der Wärmepumpen zu unterstützen. Einen weiteren Schub für die Wärmepumpe erhofft sich Habeck von der ab 2024 vorgesehenen Regelung, dass der Erneuerbaren-Anteil bei Heizungen mindestens 65 Prozent betragen muss. In vielen Fällen dürfte die Wärmepumpe die einzige Technologie sein, mit der sich diese Anforderung erfüllen lässt.

Wärmepumpen fordern Stromnetz heraus

Kritiker warnen vor einer einseitigen Festlegung auf die Wärmepumpe. Sie verweisen darauf, dass die Wärmepumpe in gut gedämmten Neubauten zwar meistens die beste Lösung sei, ihre Effizienzvorteile in schlecht gedämmten Bestandsgebäuden aber nicht ausspielen könne.

Hinzu kommt, dass eine weite Verbreitung von Wärmepumpen das Stromversorgungssystem stark belasten würde. Sechs Millionen Wärmepumpen bedeuten nach Angaben des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Uni Köln (EWI) eine Stromnachfrage von etwa 30 Terawattstunden.

An einem sehr kalten Wintertag würde eine solche Zahl an Wärmepumpen nach Angaben des EWI die Spitzenlast in Deutschland um bis zu zehn Gigawatt erhöhen. Zur Einordnung: Der Nettostromverbrauch in Deutschland betrug im Jahr 2021 rund 508 Terawattstunden. Der Begriff Spitzenlast bezeichnet den Moment mit der höchsten Stromnachfrage. In Deutschland liegt die Spitzenlast bei gut 80 Gigawatt (GW).

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