Feb 22, 2023
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Euro-Zone: Teils niedriger als vor Corona – Wieso die Schuldenlast in Südeuropa sinkt

Written by Carsten Volkery


Rom

Auch für Italien sinkt die Schuldenlast.


(Foto: imago images/Westend61)

Brüssel Es ist noch nicht lange her, da orakelten Ökonomen über eine Rückkehr der Schuldenkrise in der Euro-Zone. Die Schuldenberge waren in der Coronapandemie stark gewachsen, besonders in den südeuropäischen Ländern: In Griechenland belief sich die Schuldenquote zeitweise auf mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), in Italien auf mehr als 150 Prozent.

Doch die Lage hat sich deutlich entspannt. Seit zwei Jahren fallen die Schuldenquoten rasant, und Ökonomen erwarten, dass dieser Trend auch dieses Jahr anhalten wird. Der zusätzliche Schuldenberg der Coronazeit sei in manchen Ländern schon komplett wieder abgebaut, heißt es in einer Analyse der Beratungsfirma Oxford Economics, die am Donnerstag veröffentlicht werden soll.

Die durchschnittliche Schuldenquote in der Euro-Zone ist demnach von einem Höhepunkt bei hundert Prozent Anfang 2021 auf 93 Prozent des BIP Ende 2022 gesunken. Das liegt immer noch über dem niedrigsten Stand vor der Pandemie (84 Prozent), aber insbesondere einige hochverschuldete Länder stechen positiv heraus: Die griechischen Staatsfinanzen etwa stehen schon besser da als vor Corona, auch Portugal hat dieses Ziel fast erreicht.

Italien und Spanien machen ebenfalls große Sprünge beim Schuldenabbau, während es in Deutschland eher schleppend läuft. Allerdings ist hier der Schuldenstand auch deutlich niedriger, der Abbau weniger dringend.

Als Gründe für den positiven Trend in Südeuropa nennt der Ökonom Daniel Kral von Oxford Economics das starke Wirtschaftswachstum und die hohe Inflation. Beides hat den Regierungen im vergangenen Jahr mehr Steuereinnahmen beschert als erwartet. Die Konjunktur wuchs in Griechenland, Portugal und Spanien um mehr als fünf Prozent, weil sich der Tourismus nach der Pandemie schnell erholt hatte. Die deutsche Wirtschaft hingegen litt viel stärker unter der Energiekrise und wuchs nur um 1,8 Prozent. Die teuren Energiehilfen belasteten den Haushalt zusätzlich.

Weiter sinkende Schuldenstände erwartet

Auch der starke Anstieg der Inflation nach der russischen Invasion in der Ukraine habe beim Rückgang der Schuldenquote geholfen, sagt Kral. Da ist zum einen der rechnerische Effekt: Wenn der Wert des nominalen BIP entsprechend der Inflation steigt, machen die Schulden automatisch einen kleineren prozentualen Anteil daran aus. Obendrein nimmt der Staat mehr Steuern ein, wenn die Preise für Güter und Dienstleistungen steigen.

Michele Napolitano von der Ratingagentur Fitch erwartet, dass die Schuldenstände in Südeuropa auch in diesem und im kommenden Jahr weiter sinken. Aber das Tempo werde nachlassen, sagt er. Die Inflation werde fortan weniger durchschlagen, weil die Höhe vieler Sozialleistungen an die Inflation des Vorjahrs gekoppelt ist. Dieser Teil der Staatsausgaben werde daher ansteigen. Wenn man die positiven und negativen Effekte der Inflation auf die Schulden gegeneinander aufrechne, seien sie unter dem Strich leicht positiv, meint Napolitano.

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Portugal hat bereits im vergangenen Jahr einen Überschuss im Primärhaushalt erwirtschaftet. Das ist der Staatshaushalt ohne Zinszahlungen. Griechenland soll dieses Jahr folgen. Fitch hat die Bonität der beiden einstigen Krisenländer deshalb kürzlich heraufgestuft. In Italien und Spanien hingegen gehe der Schuldenabbau langsamer voran und es brauche nicht viel, um den Trend wieder umzukehren, sagt Napolitano.

>>Lesen Sie auch: EU-Kommission sieht keine Rezessionsgefahr mehr

Als entscheidend sieht er die Hilfen aus dem europäischen Corona-Wiederaufbaufonds an. Die EU-Gelder, die vor allem Südeuropa zugutekommen, sind eine Konjunkturspritze außerhalb des nationalen Haushalts. „Wenn diese richtig eingesetzt werden, können sie das Wachstum ankurbeln, ohne die Haushalte zu belasten“, sagt Napolitano.

„Wir könnten ab 2024 einen bedeutenden Schub sehen.“ Obendrein setze der Wiederaufbaufonds einen starken Anreiz für die südeuropäischen Regierungen, weiterhin Haushaltsdisziplin zu üben. „Wenn eine Regierung den Empfehlungen der EU-Kommission nicht folgt, droht ein Verlust der Gelder.“

Die steigenden Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) sehen die Ökonomen nicht als Gefahr. Aufgrund der langen Laufzeiten europäischer Anleihen würden die höheren Zinsen die Staatshaushalte erst in zwei, drei Jahren belasten, meint Napolitano. Bis dahin sei die Situation stabil. Ökonom Kral rechnet damit, dass der Zinseffekt auf zwei Jahre begrenzt sein wird. Denn die Märkte preisten bereits das Ende der Zinserhöhungen ein. Eine neue Schuldenkrise sei daher nicht zu erwarten.

Mehr: Die Reform der EU-Schuldenregeln droht zu scheitern.



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