Nov 18, 2022
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IG Metall: Tarifeinigung in der Metall- und Elektroindustrie – Einmalzahlungen und Lohnerhöhungen

Written by Frank Specht


Warnstreik der IG Metall

Die Gewerkschaft hatte für den Fall des Scheiterns der Gespräche mit einer Ausweitung des Arbeitskampfs gedroht.



(Foto: dpa)

Berlin Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie gibt es eine Einigung. Vorgesehen sind Lohnsteigerungen von 5,2 Prozent zum Juni 2023 und noch mal 3,3 Prozent ab Mai 2024 bei einer Laufzeit von 24 Monaten, wie die Gewerkschaft IG Metall und Arbeitgeber am frühen Freitagmorgen in Ludwigsburg mitteilten. Dazu kommen steuerfreie Einmalzahlungen von insgesamt 3000 Euro. Das Ergebnis gilt als Pilotabschluss, der im Kern auch in anderen Bezirken umgesetzt werden soll. In der Branche sind bundesweit rund 3,9 Millionen Menschen beschäftigt.

IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelberger sagte nach den zwölfstündigen Verhandlungen: „Wir haben hart gerungen und verhandelt, am Ende liegt aber ein akzeptabler Kompromiss auf dem Tisch. Die Kolleginnen und Kollegen bekommen nun endlich die dauerhafte prozentuale Entgelterhöhung, die ihnen zusteht.“

Südwestmetall-Verhandlungsführer Harald Marquardt sprach von einem aus seiner Sicht „schmerzhaften Kompromiss“, der nur tragbar sei, weil mit der langen Laufzeit Planungssicherheit für die Betriebe bestehe. Außerdem seien Entlastungsmöglichkeiten für Firmen in Not enthalten.

Die IG Metall war mit der Forderung nach acht Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten in die Verhandlungen gegangen, die auf regionaler Ebene im September begonnen hatten. Dabei hatte sie in den zurückliegenden Runden deutlich gemacht, dass ein Abschluss ohne Tabellenerhöhung, also ohne dauerhaft wirkende Prozenterhöhung der Löhne und Gehälter, mit ihr nicht zu machen sei.

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Die IG Metall verwies dabei auf die hohe Inflation, die im Oktober mit 10,4 Prozent auf den höchsten Stand seit 1951 gestiegen war. Seit dem Auslaufen der Friedenspflicht am 29. Oktober beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als 774.000 Beschäftigte an Warnstreiks, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Die Arbeitgeber wiesen dagegen darauf hin, dass Deutschland im kommenden Jahr auf eine Rezession zusteuere und es deshalb wenig Verteilungsspielraum gebe. Außerdem dürften die guten Ergebnisse von Konzernen wie Siemens, der am Donnerstag einen operativen Rekordgewinn vermeldet hatte, nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage der Metall- und Elektroindustrie insgesamt sehr heterogen sei.

Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger (IG Metall, l.) und Harald Marquardt (Südwestmetall)

Gerade viele kleine und mittelständische Betriebe fürchteten angesichts der stark gestiegenen Energiepreise um ihre Existenz. Außerdem würden angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit oder Lieferschwierigkeiten viele Aufträge storniert. Wie zur Bestätigung hatte das Statistische Bundesamt am Donnerstag gemeldet, dass das Auftragspolster der deutschen Industrie erstmals seit den Anfängen der Corona-Pandemie wieder gesunken ist.

Die Arbeitgeber hatten zunächst nur eine Inflationsprämie in Höhe von 3000 Euro in Aussicht gestellt und angeboten, auch über eine dauerhafte Prozenterhöhung zu reden, wenn die Gewerkschaft sich auf eine lange Laufzeit von 30 Monaten einlasse. Außerdem forderten sie eine automatische Differenzierung im Tarifvertrag, also die Möglichkeit für die Unternehmen, bei Unterschreitung bestimmter betriebswirtschaftlicher Kennzahlen einzelne Tarifbestandteile erst verzögert oder gar nicht zu zahlen, ohne dass die Gewerkschaft zustimmen muss.

Außerdem hatte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf, darauf gepocht, dass ein mögliches Tarifergebnis neu bewertet werden müsse, falls es in Deutschland doch noch zu einer Gasmangellage komme und Betrieb deshalb ihre Produktion massiv einschränken oder gar stoppen müssen.

Der Druck, auch in der Metall- und Elektroindustrie zu einer Einigung zu kommen, war durch den Tarifabschluss in der chemisch-pharmazeutischen Industrie gewachsen. Dort hatten sich die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC Mitte Oktober darauf geeinigt, dass die Löhne und Gehälter in zwei Stufen um insgesamt 6,5 Prozent steigen.

Darüber hinaus zahlen die Unternehmen jene 3000 Euro Inflationsprämie, die die Bundesregierung von Steuern und Abgaben befreien will. Die Auszahlung erfolgt in zwei Tranchen von je 1500 Euro. Der Chemie-Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 20 Monaten bis Ende Juni 2024.

Nach dem Metall-Pilotabschluss in Baden-Württemberg wird nun in den anderen Tarifbezirken weiterverhandelt, ob das Ergebnis übernommen wird. Dies ist aber in der Regel der Fall, zuweilen mit leichten regionalen Abweichungen.

Die nächste große Tarifrunde steht dann Anfang nächsten Jahres an. Am 24. Januar beginnen die Verhandlungen für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen.

Mehr: Höchste Tarifforderungen seit Jahren: Droht nun die Lohn-Preis-Spirale?



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Politik

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